Instandsetzung in 4 Etappen, Zürich, 2008 bis 2012

Ziel der Instandsetzung der Wohnhäuser ist die Sicherstellung der Bausubstanz und der Erhalt der Funktionstüchtigkeit für den Zeitraum einer nächsten Generation. Erneuert bzw. saniert werden die Kanalisation, die Gebäudetechnik, die Nasszellen und die Wohnküchen. In Koordination mit den Instandsetzungsarbeiten werden gleichzeitig die aufgelaufenen Unterhaltsarbeiten in den Wohnräumen und an der Gebäudehülle vorgenommen.

BAUGESCHICHTE

Am Ende des 1. Weltkrieges herrschte in der Stadt Zürich akute Wohnungsnot, insbesondere für die unteren Einkommensklassen.
Im April 1918 stimmt das Stimmvolk dem Kredit von 2.1 Millionen Franken für 21 Doppelhäuser bzw. 126 Wohnungen zu.
Im Oktober 1918 ist die Siedlung in kürzester Zeit erstellt und bezugsbereit!
Im folgenden Jahr wird die Siedlung durch 4 Doppelhäuser bzw. 24 Wohnungen ergänzt, es ergibt sich ein Gesamtbestand von 150 Wohnungen, je zur Hälfte aus zwei und drei Zimmer Wohnungen.
Schon bald nach der Fertigstellung treten an den Fachwerkbauten der 1. Bauetappe Verputzschäden auf. Im Jahr 1922 werden die Häuser mit Eternitschindeln verkleidet. Der populäre Namen „Schindelhäuser“ ist geboren.

In den 60er und 70er Jahren scheinen Sanierung und Erhaltung der Schindelhäuser wenig lohnenswert. Der Stadtrat genehmigt 1976 den Abbruch und die Neuüberbauung „Trottenhof“. Gegen das Vorhaben formiert sich im Quartier Widerstand. Das Neubauprojekt wird zurückgestellt.
Im Jahr 1983 ergibt eine Umfrage der Stadt bei Quartierverein, Kreisparteien, Heimatschutz und Bewohnerschaft einen deutlichen Trend hin zugunsten Erhaltung und Instandstellung der Wohnsiedlung.

Seit 1988 steht die Wohnsiedlung unter Denkmalschutz. In den Jahren 1988/89 erfolgten Einbauten von Duschen (teilweise), Dämmungen an Kellerdecken und Estrichböden, feuerpolizeiliche Nachrüstungen der Wohnungstüren und der Einbau von neuen Fenstern.

ZIELE UND MASSNAHMEN

Die Wohnsiedlung Nordstrasse ist ein baukulturell bedeutendes Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der Stadt Zürich. Die Siedlung ist entstanden als Antwort auf die akute Wohnungsnot und auf die Teuerung am Ende des 1. Weltkrieges.

Ziel der Instandsetzung der Wohnhäuser ist die Sicherstellung der Bausubstanz und der Erhalt der Funktionstüchtigkeit für den Zeitraum einer nächsten Generation. Erneuert bzw. saniert werden die Kanalisation, die Gebäudetechnik, die Nasszellen und die Wohnküchen. In Koordination mit den Instandsetzungsarbeiten werden gleichzeitig die aufgelaufenen Unterhaltsarbeiten in den Wohnräumen und an der Gebäudehülle vorgenommen.

Die Instandsetzungen erfolgen in 4 Ausführungsetappen. Während der Sanierungsphasen stehen der Mieterschaft 24 Ausweichwohnungen zur Verfügung. Die Bauplatzinstallationen sind auf Ende 2009 vorgesehen und die Fertigstellung soll im Sommer 2012 erfolgen.

In Übereinstimmung mit der Verwaltung, der Denkmalpflege und den Planern gelten für die Sanierungsplanung folgende Grundsätze:

ZIELE, BEDÜRFNISSE UND DENKMALPFLEGERISCHE ÜBERLEGUNGEN

- Die Schindelhäuser sind ein eindrückliches Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der Stadt Zürich.
- Die Bausubstanz und die Funktionstüchtigkeit der Wohnhäuser sind für einen langfristigen Zeitraum sicherzustellen.
- Einheitliche Massnahmen und Eingriffe sind zu bevorzugen.
Sanierungsmassnahmen sind in der Gesamtschau der Bausubstanz zu planen.
- Bauvorschriften, Normen und die Regeln der Baukunst sind einzuhalten.
- Das Mieterprofil ist auf eine breite soziale Durchmischung auszurichten.
- Wohnkomfort und Wohnhygiene sind, unter Berücksichtigung von Mieterwechseln, auf allgemeingültige Ansprüche auszurichten.
- Anzustreben sind kostengünstige Lösungen.

SANIERUNGSUMFANG UND RANDBEDINGUNGEN

Zur Sicherung der Funktionstüchtigkeit und des zeitgemässen Ausbaustandards der Wohnsiedlung Nordstrasse für die nächsten 25 Jahre, sind nach der Bereinigung des Projektumfanges folgende Sanierungsmodule im Bauprojekt einzubeziehen:

Kanalisationssanierung
Gesamterneuerung der Kanalisation zur Gewährleistung der Betriebssicherheit.

Haustechnik und Hausinstallationen
Die Entsorgungsstränge der alten WC und Schüttsteine sind in schlechtem Zustand und sind in Koordination mit den Nasszellen- und Küchensanierungen zu ersetzen.
Aus Gründen von Alter und Zugänglichkeit ist ebenfalls vorgesehen, die alten Steigstränge für Kalt- und Warmwasser der WCs und Lavabos auszuwechseln.
Die Ablösung der unterschiedlichen Warmwasseraufbereitungen durch ein einheitliches System ist im Sanierungsprojekt einzuplanen.

Nasszellen (WC, Duschen)
Im Jahre 1989 sind nicht alle Wohnungen mit Duschen ausgestattet worden. Damit zukünftig alle Wohneinheiten denselben Komfort aufweisen, ist die Nachrüstung der noch fehlenden Duschen vorgesehen. Bestehende Duschen in den Küchen werden in die Nassräume verschoben.

Küchen
Aufhebung der alten Schüttsteine in den Küchen und Ersatz in Form von kleinen, den 2-3 Zimmer-Wohnungen entsprechenden Einbauküchen. Beibehalt der Gasherde.

Heizung
Ablösung der individuellen Holz-, Oel- und Elektroöfen durch ein zentrales Heizungssystem auf der Basis Holzpellets. Wärmeverteilung mit Heizkörpern. Einbezug der Warmwasseraufbereitung in die Wärmeerzeugung.

Dämmung Kellerdecken
Nachdämmung der Kellerdecken im Waschküchenbereich.

Feuerpolizeiliche Anforderungen
Nachrüstung feuerpolizeilicher Massnahmen als Ergänzung zu den Massnahmen von 1989, gemäss Auflagen der Feuerpolizei.

Wohnungswände und Decken
Reinigen und Neuanstriche der Wände und Decken in 50 % der Wohnungen.

Holzböden in Wohnungen
Auffrischen der Holzböden in 50 % der Wohnungen.

Gebäudehülle
Unterhaltsarbeiten an sämtlichen Fassaden: Neuanstriche an Fenstern, Gewänden, Fensterläden, Untersichten, Vordächern, Gebäudesockeln usw.

Unterhaltsarbeiten an den Dächern: Die Dächer mit Biberschwanzziegeln werden umgedeckt und über der bestehenden Lattung mit einer wasserführenden Schicht versehen. Die Dächer mit Doppelfalzziegeln werden gereinigt. Alle defekten Ziegel werden ersetzt.

Objekt:
Wohnsiedlung Nordstrasse ‚Schindelhäuser’

Bauherrschaft:
Stadt Zürich

vertreten durch
Amt für Hochbauten der Stadt Zürich

Architekten:
Schäublin Architekten AG
Steiner Bauleitungen, Zürich

Spezialisten:
Bauingenieur, Ruggli Partner, Zürich
Elektroingenieur, Riesen Elektroülanung, Zürich
HLK Ingenieur, TEWE AG, Zürich
Sanitärplaner, TEWE AG, Zürich

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