Parkhaus Kantonsspital Olten / Verkehr / Schäublin Architekten - Schaeublin Architekten

Schäublin Architekten / Verkehr / Parkhaus Kantonsspital Olten



Erscheinung eines oberirdischen Parkhauses in Olten, eingeladener Studienwettbewerb 2008

Ein Generalunternehmer führt einen eingeladenen Wettbewerb durch zur äussseren Erscheinung und der Ausgestaltung der Erschliessungszonen eines zu erstellenden oberirdischen Parkhauses auf dem Areal des Spitals Olten.

Ausgangslage/Analyse
Die bestehenden und die entstehenden Bauten auf
dem Areal treten als ihrer Zeit entsprechende,
sorgfältig geplante und erstellte Objekte auf.
Wohl um die Jahrhundertwende 19./20. entstand die
Augenklinik - vermutlich die Initiation der Spitalanlage
im Grünen am Rand der Stadt -, in der damaligen Art
eines öffentlichen Gebäudes klassizistisch geprägt,
solide.
Dann etwa die Sichtbacksteinbauten der 50-er/60-er
Jahre, klassisch modern orientiert, verhalten, edel.
Schliesslich die eben entstehenden, dem hohen
technischen Niveau ihres Inhaltes entsprechende
aktuelle Objekte, elegant, sie wecken Vertrauen in die
Qualität der in ihnen gewährten Betreuung.
Und nun der Wunsch nach einem dienenden
Parkhaus, für diese Studie vorgegeben als im
Grundriss quadratisches Prisma mit fünf Parkebenen,
an allen vier Ecken mit Treppenhäusern und im
Inneren mit einer Rampe vertikal erschlossen, in der
Höhe gedrungen wirkend.
Das Objekt nimmt im Vergleich zu den Pflege- und
Verwaltungsbauten eine grosse Grundfläche ein,
drängt sich zwischen die ersten Bauten an den Rand
der Spitalanlage, die Nordseite weithin sichtbar der
weiten Grünfläche im Areal zugewandt.
Wir schlagen vor, das Parkhaus den edel eingehüllten
bestehenden Objekten als ein offenes, rohes
Bauwerk zuzufügen, das seine Aufgabe unverhohlen
zur Schau stellt und den BesucherInnen optimal zur
Verfügung steht.

Idee
Der pflegliche Umgang mit den konstruktiv
gegebenen, funktional notwendigen Elementen
bewirkt die Zierde des Objektes:
. Die geschlossenen Flächen in den Fassaden sind in
hellem, glattem Sichtbeton ausgebildet, sie gehen
flächenbündig in die Verglasungen der nach aussen
gekehrten Treppenhäuser über.
Die Sichtbeton-Oberflächen der Wände und der
Decke der eingezogenen Ecken werden bei der
Fussgänger-Erschliessung gelb und bei den
Fluchtreppenhäusern weiss gestrichen.
. Die quadratischen, ungerichteten Parkebenen
werden visuell ausgerichtet durch die Betonung der
vorgespannten Träger und ihre Abbildung im
Deckenschnitt an der Nordfassade. Sie bilden Rippen
an der Decke, die von der geschlossenen Südfassade
zu der offenen Nordfassade laufen. Dort sind der
Anprallschutz und die Absturzsicherung als
metallenes Gewebe ausgebildet, das üppigen
Ausblick und knappen Einblick gewährt.

Licht und Beleuchtung

Durch die auf drei Seiten offenen Fassaden wird das
Tageslicht optimal genutzt. Südseitig erzeugen
horizontale Glasbausteinstreifen Streiflicht auf den
weissen Decken.
Während der Dämmerung und nachts unterstützt die
allgemeine indirekte Beleuchtung die Wirkung der
ausrichtenden weissen Deckenstreifen. Über den
Gehbereichen werden direkt wirkende, mit
Blendrastern versehene Leuchten eingesetzt.
Das Haupttreppenhaus mit den Liften wird hell
indirekt über die gelben Wände und Decke
beleuchtet. Die Fluchtreppenhäuser glimmen leicht
durch die von der Notbeleuchtung angestrahlten
weissen Wände und Decke.
Die transluzenten Glasdächer über der Kassenstation
und über der Schrankenanlage wirken als
Leuchtdecken.
. Erscheinung des Parkhauses für die BenützerInnen
Das Gefühl von Sicherheit beim Benützen eines
Parkhauses wird bewirkt durch seine attraktive
Erscheinung, gute Übersicht und einfache
Orientierung.

Dazu tragen bei:
. die Offenheit der Parkebenen mit guten
Sichtverbindungen im Inneren und nach aussen,
. die innen und von aussen deutlich wahrnehmbare
Raumorganisation, unterstützt von der Farbgebung
(weiss gestrichene Deckenbereiche zwischen den
Unterzügen, hellgraue Bodenfarbe),
. das System der Orientierungszeichen, das die
Erinnerung an den Abstellplatz und die kürzesten
Wege von innen nach aussen und zurück unterstützt,
. das einfache und schnelle Erfassen des Systemes
der Fluchtwege für den Notfall,
. Licht und helligkeitsadaptierte Beleuchtung bei Tag.

Konstruktion
Die vorgegebene Konstruktion mit vorgespannten
Trägern auf Stützen und einem dazwischen gelegten
Deckensystem erfüllt optimal die Bedingung der
Übersicht (stützenfreie zweiseitige Anordnung der
90° zur Fahrfläche stehenden Abstellplätze). Die
Aussteifung sollte durch die Wandscheiben der
Erschliessungstürme an den Ecken gewährleistet
sein.
Wir haben optimierende Eingriffe vorgenommen:
. an der Südfassade werden die Stützen durch
Wandverstärkungen im Bereich der Träger ersetzt,
die Wand insgesamt trägt und steift aus.
. an der Westfassade wird die Ein- und Ausfahrt so
organisiert, dass die Stützen auch hier über die ganze
Gebäudehöhe durchlaufen.
. im Bereich der zentralen Erschliessung für die
Fussgänger werden zwei Stützen durch
Wandscheiben ersetzt sowie der vorgespannte
Träger auch hier an die Fassade gezogen.
. als Ersatz für die wegfallenden Scheiben bei den
eingezogenen Ecken werden in der zweiten
Stützenachse von Norden her aussteifende
Diagonalverbindungen angebracht, dies ebenfalls in
je einem angrenzenden Stützenfeld in der Ost- und in
der Westfassade.
. die drei Fluchttreppen und die Haupttreppe werden
in Sichtbeton ausgeführt. Die Podeste sind auf
Stützen im Treppenauge gelagert, die inneren sind
mit der Wand verbunden, die äusseren kragen aus.
Die über das Treppenhaus auskragende Dachplatte
wird ebenfalls auf den Stützen im Auge gelagert.

Brandschutz
Der freie Luftdurchgang von mindestens 25 % ist
durch die dreiseitige Öffnung der Parkebenen
grosszügig gewährleistet.
Die Treppenhäuser sind durch mit Lüftungsgitter
versehene Felder in der Fassadenteilung natürlich
belüftet, falls nötig werden sie für die Entrauchung mit
Klappen in der Dachfläche ergänzt.
Die Südfassade in Beton ist auch im Bereich der
Glasbausteine rauchdicht.

Schallschutz
Die Südfassade gegen die Wohnsiedlung wird als
tragende Betonkonstruktion ausgeführt, die schmalen
horizontalen Schlitze für den Tageslichteinfall
zwischen den Trägern sind mit zwei Schichten von
Glasbausteinen ausgemauert.
. Anprallschutz und Absturzsicherungen
Der Anprallschutz wird an der West- und an der
Ostfassade durch die Brüstungen und ein
Schrammbord gewährleistet, an der Nordfassade
durch vertikal gespannte Drahtseile im metallenen
Gewebe und den Stop-Balken auf dem Boden, an der
Südfassade durch die tragende Betonwand (siehe
auch Legenden Schnitte M 1:20).

Objekt:
Parkhaus Kantonsspital Olten

Veranstalter:
HRS Hauser Rutishauser Suter AG, Zürich

Architekten:
Schäublin Architekten AG

Spezialisten:
Bauingenieure, Dr. Lüchinger und Meyer Bauingenieure, Zürich
Beleuchtungsplanung, Caduff Lichtplanung, Zürich


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