Wettbewerb für die Gestaltung der momentan als Parkieranlage genutzten Freifläche 'Fäschtwise' mit darunterliegender, erweiterbarer Parkgarage
konzept
die fäschtwise befindet sich an bedeutender lage im historischen kontext der stadt kreuzlingen vor der markanten kulisse der klosteranlage. heute wird sie in ihrer banalität diesem umfeld nicht gerecht. der vorliegende entwurf will die wiese zu einem markanten ort machen, indem die grosse leere fläche der mitte eine dichte räumliche fassung erhält, die den blick auf die klosteranlage lenkt und begrenzt. die gesamte fläche wird wie ein an den vier ecken aufgespanntes tuch ausgeebnet. die dreiteilung der anlage selber in die zwei baumhaine und die freie wiese soll unterschiedlichen funktionen und anlässen gerecht werden und gleichzeitig angenehme alltägliche freiräume von hoher qualität schaffen. die schattigen baumhaine mit ihrem jahreszeitlichen wandel und lichtspiel kontrastieren und verstärken die wirkung der offenen rasenfläche. die anordnung des parkhauses zwischen den flankierenden hainen erhält ihre eigene logik.
baumhaine
die beiden lockeren baumhaine aus duftenden linden und blühenden vogelkirschen (prunus avium „plena“, gefülltblühend, nicht fruchtend) stehen in einem kiesbelag und formulieren beschattete zonen, die sich sowohl für den durchgang als auch für einen aufenthalt anbieten. die bestehenden linden sind in den hain integriert. der baumhain entlang der haupstrasse bildet einen filter zur stark befahrenen hauptstrasse und setzt einen städtebaulichen akzent als pendant zur bebauung auf der gegenüberliegenden strassenseite. das trottoir verläuft als ortbetonband in der kiesfläche und bietet dadurch wechselnde ausblicke über die fäschtwise zur kirche, zum kultur- und sportzentrum (kuspo) und schulareal sowie über die hauptstrasse zu den gegenüberliegenden geschäften. entlang des weges sind sitzbänke angeordnet. ein schmales wasserband mäandriert spielerisch zwischen den bäumen. es wird durch einen trinkbrunnen gespiesen und verläuft als feiner wasserfilm durch das baumfeld, bis es schliesslich in eine kleinen wasserfläche mündet. die parkhauszugänge befinden sich am rand des baumhaines.
der gegenüberliegende, schmälere baumhain verbindet das kuspo sowie das schulareal mit der fäschtwise. bedingt durch die zufahrt zum parkhaus liegt die rasenfläche auf der westseite etwas höher als die chaussierte fläche. durch eine kurze treppe mit begleitender rampe werden die ebenen verbunden. eine lange sitzbank mit staudenbeet schliesst daran an und schafft eine aufenthaltszone für pausen zwischen den veranstaltungen.
wiese
gerahmt zwischen den beiden baumhainen liegt die fäschtwise als weiträumiger, offener freiraum vor der klosteranlage. als schotterrasen ist sie befahrbar (bis 40t) und somit für nutzungen und veranstaltungen aller art geeignet. dem betrachter bietet sich das bild einer grossen rasenfläche.
grosse ortbetonfelder verbinden die beiden baumhaine und schaffen dadurch eine attraktive fussgängerbeziehung zwischen kuspo/schulcampus und stadtzentrum. diese platzfläche bildet einen balkon über der pestalozzistrasse. die anschliessende wiesenfläche kann nach belieben in alle richtungen überquert werden.
infrastruktur
die fassade des parkhauses bildet die verlängerung der bestehenden treppe am kuspo an der pestalozzistrasse. im bereich zwischen parkhaus und trottoir befinden sich der entsorgungsplatz sowie die car-parkplätze. die taxi-parkplätze sind beim kuspo angeordnet. velo- und motorradstellplätze werden überdacht im parkhaus angeboten. weitere ungedeckte veloabstellplätze können nach bedarf auf dem areal der fäschtwiese im bereich der baumhaine dezentral angeboten werden.
licht
nachts werden die wichtigen wegebeziehungen zurückhaltend, jedoch ausreichend beleuchtet: in den baumhainen stehen frei angeordnete parkleuchten. ein hoher beleuchtungsmast am rand ermöglicht optional eine grosszügige ausleuchtung der fäschtwise und ihrer teilbereiche für die verschiedenen anlässe.
friedhof
der friedhof westlich der klosterkirche ist in der heutigen erscheinung seiner bedeutung völlig unangemessen und bedarf dringend einer aufwertung. es wird vorgeschlagen, auch den friedhof in analogie zur klosteranlage mit einer mauer einzufrieden. rosen ranken entlang der friedhofsmauer und begleiten den schulweg. die beliebige ansammlung unterschiedlicher sträucher und bäume vor der kulisse der klosterkirche soll entfernt und die wirkung der anlage dadurch geklärt werden. eine heckenstruktur sowie geschnittene linden im inneren in ergänzung der schon bestehenden (in den plänen nur konzeptionell dargestellt) sollen den friedhof gliedern.
konzept parkhaus
mit unterirdischem öffentlichem raum die voraussetzung schaffen, dass die fäschtwise unbesetzt bestehen bleibt.
durch die entwicklung der siedlung kreuzlingen ist vom weiten, offenen feld zwischen konstanz und dem kloster st. ulrich nur die fäschtwise übrig geblieben. sie soll als unbesetzte fläche erhalten bleiben und freie sicht von der stadt her auf die von der kirche dominierte klosteranlage st. ulrich gewähren.
der mangel an raum für das abstellen von autos bei den eigentlichen individuellen zielorten in der stadt führt dazu, dass die stellflächen in anlagen an dafür geeigneten orten im öffentlichen raum der stadt konzentriert werden.
dabei entstehen orte der ankunft und der abreise von gästen des zentralen bereiches der stadt. sie bieten der stadt die chance, den besuchern mit einer geste der gastfreundschaft zu begegnen, sie sollen sich willkommen geheissen und sicher fühlen können.
dazu wird das parkhaus als attraktiver und gut organisierter bereich des öffentlichen raumes gestaltet.
im parkhaus findet für den autofahrer der wechsel vom privaten raum seines fahrzeuges zum öffentlichen raum der stadt statt. die sorgfältige gestaltung aller unterirdischen räume und die visuellen orientierungsmittel sollen den besuchern eine rasche übersicht und kurze wege zu den ausgängen ermöglichen. die toilettenanlage des parkhauses im ersten untergeschoss steht auch den besuchern der parkanlage und passanten zur verfügung.
das parkhaus manifestiert sich auf dem platz lediglich durch die leichten glasaufbauten über den treppenhäusern am rand zum südwestlichen baumhain und durch das geländer der treppenanlage am rand des zugangsbereiches zum kuspo.
gegen die pestalozzistrasse entsteht die einzige fassade des parkhauses. sie wird als tragende sichtbetonwand mit gekratzter oberfläche erstellt und verbindet sich in der aufsicht mit den ortbetonflächen auf dem platz. beim kuspo geht sie in die bestehende fassade des treppenaufganges über, deren oberfläche dem kratzbeton angeglichen wird.
tiefbau und statik
das parkhaus ist so entworfen, dass es bezüglich der tragstruktur und den tiefbauarbeiten äusserst ökonomisch erstellt werden kann. es wird so ausgebildet und unter die wiese gefügt, dass es die neigung der fäschtwise aufnimmt. durch die beschränkung auf zwei untergeschosse können die meisten geotechnischen probleme umgangen werden. die aushubarbeiten bedingen keine grösseren zusatzmassnahmen, und das bauwerk kann die auftriebskräfte durch das eigengewicht aufnehmen. für die baumhaine steht das intakte erdreich neben dem parkhaus zur verfügung.
die stahlbetonkonstruktion besteht aus flachdecken, welche auf den aussenwänden und vorfabrizierten stützen aufliegen. durch die regelmässige einteilung und die gewählten spannweiten können die lasten sehr effizient abgetragen werden, ohne dass die verkehrsführung oder das architektonische konzept beeinträchtigt werden.
für die allfällige erweiterung wird die gleiche einteilung übernommen und weitergeführt, so dass das parkhaus für beide etappen optimal ausgebildet ist.
die raumhöhe von 2.80m resultiert aus einer lichten höhe von 2.40m und der darüberliegenden, durchgehenden zone von 40cm höhe für technisiche Installationen.
autoverkehr
die ein-/ausfahrt und die erschliessungsanlagen für die fussgänger sind klar voneinander getrennt.
die fahrzeuge fahren an der pestalozzistrasse an der tiefstmöglichen lage ebenerdig in das erste untergeschoss unter dem platz ein und aus. die autofahrer werden im parkhaus durch ein auf der üblichen strassensignalisation beruhendes orientierungssystem unterstützt. das zweite untergeschoss wird über rampen erreicht, seine organisation stimmt mit der des ersten überein. das in den plänen vorgeschlagene regime kann durch eine einzelplatzbewirtschaftung mit entsprechender, von weitem sichtbarer signalisation optimiert werden. möglich wäre jedoch auch ein regime ohne solche anlage mit der durchfahrt an allen plätzen vorbei.
fussgänger
den fussgängern stehen gut wahrnehmbare, feuersicher verglaste treppenhäuser zur verfügung. sie erscheinen durch direkten tageslichteinfall und darauf abgestimmtes, gesteuertes kunstlicht angenehm hell. während der dämmerung und nachts wirken sie in ihrer umgebung als anziehende laternen, die die orientierung aus dem und in das parkhaus erleichtern.
die optimalen wege in den parkgeschossen sind zur koordination von auto- und fussgängerverkehr auf dem boden markiert. lage und anzahl der treppenhäuser minimieren die distanzen im untergrund. mobilitätsbehinderte erreichen das campusgebiet ebenerdig über den zugang neben dem kuspo und die fäschtwise über die beiden liftanlagen.
farbgebung, beleuchtung und orientierung
die farbgebung von wänden und stützen ist auf die schnelle erfassung des gesamten raumes ausgerichtet: dunkle, schlanke stützen treten gegenüber den hellen wänden zurück.
die beleuchtung mit kunstlicht setzt in erster linie die wände ins licht. die fahrbahnen, die markierten gehbereiche und der bereich zwischen den parkfeldern werden mit abgeblendeten leuchten hervorgehoben.
lüftung / entrauchung
die beiden ebenen der garage werden gemäss den gültigen normen/richtlinien mechanisch belüftet, überwacht und gesteuert über eine co-warnanlage.
die abluftkänale werden zusätzlich für die mechanische entrauchung verwendet. die ersatzluft strömt in diesem fall frei über die treppenhäuser nach.
durch den dabei entstehenden unterdruck bleiben die treppenhäuser rauchfrei.
parkhauserweiterung
die gewählte anordnung auf zwei geschossen führt zu einem optimalen bauvorgang bei einer allfälligen späteren erweiterung. die erweiterung kann ohne behinderung des parkhausbetriebes ausgeführt werden, die trennwand zwischen den etappen muss aus brandschutzgründen bestehen bleiben, die durchbrüche zum zusammenschluss der fahrbahnen können jedoch rasch und ohne starke beeinträchtigung erfolgen.
ein- und ausfahrt dienen auch der erweiterung, die fussgängererschliessung zum baumhain wird um ein weiteres treppenhaus mit lift ergänzt, am schulweg entsteht ein zugang ohne lift.
in der ersten etappe können 355 parkplätze angeboten werden, in der im zeitraum von 20 bis 40 jahren nach der ersten bauphase angesetzten erweiterung wären nochmals 226 parkplätze möglich, insgesamt also 581 parkplätze.
Objekt:
Fäschtwise Kreuzlingen, 2 stufiger Projektwettbewerb 2007
Bauherrschaft:
Stadt Kreuzlingen
Wettbewerbsteam
Landschaftsgestaltung:
Raderschall Landschaftsarchitekten, Meilen
Architekten:
Schäublin Architekten AG
Bauingenieur:
Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich
Spezialisten:
Verkehrsplanung, stadt raum verkehr, Zürich
Haustechnik, Amstein + Walthert AG, Zürich
Lichtplanung, Caduff Lichtplanung, Zürich