Das Objekt Bauhof entstand 1967 in Erwartung an eine Entwicklung von Oerlikon, die nicht eingetroffen ist. Nun findet sich an einer etwas vom zentralen Bereich abgerückten Lage ein beeindruckender Gebäudekomplex von Architekt Werner Gantenbein, bestehend aus einem horizontal ausgerichteten plattenförmigen Sockel und zwei scheibenförmigen Prismen, die auf freistehenden, wuchtige Stützen lagern und die Vertikale unterstreichen. Er wirkt fremd in seiner Umgebung die geprägt ist von Bauten aus einer anderen Zeit und in einem anderen Masstab.
In der an der Architektur von Le Corbusier orientierten (Unités d’Habitation) Anlage tritt der Sockel, um den es bei der Studie geht, nicht seiner Bestimmung als Einkaufsanlage angemessen in Erscheinung. Er wirkt vieldeutig und erinnert eher an öffentliche Verwaltungs-, Spital- oder Gemeinschaftsbauten.
Die vertikale Verbindung zwischen den drei öffentlich zugänglichen Ebenen des Sockels (Erdgeschoss, Obergeschoss und offenes Geschoss für die Erschliessung der beiden Unités auf dem Niveau Gubelstrasse) ist nur schwach und in der Art eines Nadelöhres ausgebildet.
Innenliegende Verbindungsgänge erschliessen als Passagenräume gedacht Verkaufs- und Dienstleistungslokale, sind aber zu eng und zu wenig belebt um attraktiv zu wirken.
Die Geschäftslokale im Erdgeschosse sind einseitig auf die öffentlichen Parkplätze und die nur schwach belebte Quartierstrasse Baumacker ausgerichtet.
Trotz der Auffälligkeit und Eindrücklichkeit des Gebäudekomplexes ‚Bauhof’ als Ganzes fehlt seinem Sockel die Identität, die Qualität als unverwechselbarer, eigenständiger Einkaufsort.
Die Kumulation dieser schwierigen Voraussetzungen hat zu Problemen bei der Nutzung und der Vermietung geführt, denen auch mit architektonischen Eingriffen begegnet werden soll.
Eingriffe
. Identitätsbildung als Einkaufsort
Transformation der Erscheinung der Sockelgeschosse und in geringem Masse des einen Prismas (blaue Oberfläche des Gebäudevorsprunges am Wohnhaus) zur Unterstützung eines aktuellen und besonderen Auftrittes des ‚bauhofes’ als attraktiver Einkaufs-, Markt-, Handels- und Dienstleistungsort. Das bisher wenig bekannte Einkaufszentrum muss eine Adresse und ein Gesicht erhalten.
. Ausbildung eines Kopfes
Ausrichtung der Sockelgeschosse gegen die Kreuzung Baumacker- und Gubelhangstrasse und damit in Richtung des Zentrums von Oerlikon, über den Franklin- zum Marktplatz.
Die eindrückliche Erscheinung und die Qualität des gesamten Komplexes Bauhof kann die gesuchte Identitätsbildung unterstützen. Die vorgeschlagenen Manipulationen im Sockelbereich werden in konzeptioneller Übereinstimmung und unter Wahrung der Integrität des Werkes von Architekt Werner Gantenbein vorgenommen.
Für die Ausbildung des Kopfes und die Identitätsbildung setzen wir als Mittel ein:
. Herstellung eines offenen Raumes zur vertikalen Verbindung der drei Ebenen des Sockels
Die Sockelplatten werden zwischen den beiden vorderen Stützen des Wohnhauses ausgeschnitten. Es entsteht eine offene vertikale räumliche Verbindung zwischen den beiden Geschosse mit den Laden- und Dienstleistungsräumen und der begeh- und befahrbaren Dachfläche darüber. Zwei Treppenläufe sowie ein Lift mit gläsernem Schacht und Kabine verbinden die drei Ebenen.
Die beiden ‚Beine’ des Wohn-Prismas werden freigelegt und der Raum oben durch dessen Untersicht begrenzt. Gestreutes Tageslicht fällt ein, während der Dämmerung und nachts werden die inneren raumdefinierenden Flächen mit Kunstlicht angeleuchtet und unterstützt von den gläsernen Brüstungen auf den Geschossen wird dieser Raum von weitem wahrnehmbar.
Die Böden von Brücken und Treppenläufen sind mit transluzenten Flächen versehen und werden getragen von den in Stahl konstruierten Brüstungen.
. Ausbildung von offenen Arkaden durch Umlegung der innenliegenden Passagen an die Fassaden.
Aussen- und Innenraum verschränken sich in den Arkaden im Erd- und im Obergeschoss.
Im Erdgeschoss wird der Aussenraum an der Strassenkreuzung zusammen mit dem Raum vor der eingestülpten Glasfassade und dem nach oben geöffneten Raum für die vertikale Erschliessung zum attraktiven Eingangsbereich des Einkaufsortes, Eine geeignete Lage für ein Restaurant, durch eine grosszügige Glasschiebewand kann Innen- und Aussenbewirtschaftung optimal verbunden werden.
Im Obergeschoss wird als Option für eine allfällige Nutzung nach Kieser der innenliegende Verbindungsgang an die Fassade gerückt und ebenfalls als offene Arkade ausgebildet. Die bestehenden Fensterkonstruktionen werden entfernt. Gegen die Gubelhangstrasse ist dies bereits Teil der ersten Phase von Eingriffen, die verloren wirkende Passage wird an die Fassade gerückt.
. Anamorphose-Objekt mit integriertem Schriftzug ‚bauhof’ am neuen Kopf der Sockelgeschosse
Vom Franklinplatz in Richtung der Gubelstrasse gesehen erscheint das filigrane, aus einer Schar von Stäben gebildete fächerartige Objekt und die Schrift darin in vertrauter und gewohnter Rechtwinkligkeit. Beim Näherkommen verwandelt es sich jedoch in eine verwundene Fläche und verändert dabei scheinbar seine Lage im Raum. Ein geschwungener Fächer, der auf den Hauptzugang zum Einkaufsort verweist.
Der intergrierte Schriftzug ist durch die Art der Ausbildung der Teile der Buchstaben auf den Stäben aus allen mögliche Blickrichtungen lesbar.
Die Konstruktion erfolgt mit Aluminiumrohren und –profilen, die leuchtenden Buchstabenteile bestehen aus transluzenten Glasrohren, die LED Lampen enthalten.
. Bezeichnung des Gebäudekomplexes mit dem blauen Schriftzug ‚bauhof’ und mit der Blaufärbung des Gebäudevporsprunges an der Fassade des Wohnhauses
Der Name ‚bauhof’ prägt zusammen mit dem attraktiven Erscheinungsbild die Wahrnehmung der ganzen Anlage als unverwechselbares Objekt.
. Beleuchtung
Der Auftritt nach aussen wird während der Dämmerung und nachts in erster Linie geprägt von dem selbstleuchtenden blauen Schriftzug ‚bauhof’, der sanft angeleuchteten blauen Fläche auf dem Vorsprung des Wohnhauses sowie den selbstleuchtenden und den angeleuchteten Reklameschriften auf dem unteren Brüstungsband.
In zweiter Linie unterstützt dabei die innere Beleuchtung: Die beleuchteten Geschäftslokale und die beleuchteten Flächen und Objekte im neuen Verbindungsraum, die diesen zu einer anziehenden Laterne machen. Die Arkaden werden nur zurückhaltend zwischen den Deckenlamellen hindurch direkt aber blendungsfrei beleuchtet
. System der Reklame
Nach aussen treten die Geschäfte primär auf der unteren Brüstung an der Kopffassade mit ihren Logos in Erscheinung, die grösseren selbstleuchtend im oberen Band, die kleineren angeleuchtet auf dem unteren.
Sekundär treten sie mit der Bezeichnung ihrer Glasfassadenflächen und mit Schildern an den Decken der Arkaden auf. Die bezeichneten Fronten der Geschäfte deuten den Verlauf der innenliegenden Fassaden an und machen dadurch die Arkadenräume von aussen erfahrbar.
. System der Orientierung
Es ergänzt die durch die Raumorganisation und die Reklame bereits geschaffene Übersicht. Im Bereich des Verbindungsraumes der Ebenen sind Hinweise zur Lage der einzelnen Geschäfte und wichtigen Nebenräumen nötig.
Verhältnis von Kosten und Nutzen des Eingriffes
Mit den vorgeschlagenen Eingriffen wird ein optimales Verhältnis von Kosten und Nutzen angestrebt.
Zielsetzung auf der Seite des Nutzens ist die Erhöhung und langfristige Sicherung der Nachfrage nach Mietflächen zu angemessenem Preisen aufgrund der erzielten Steigerung der Attraktivität des Standortes.
Zielsetzung auf der Seite der Kosten ist ein flexibles Raumangebot, bei dem mit geringem Aufwand für die getroffenen Massnahmen eine optimale Wirkung erzielt wird.
Grundsätzlich geschieht das
. durch das Aufspüren und Einsetzen der vorhandenen, bisher jedoch nicht ausgeschöpften Qualitäten des Gebäudekomplexes ‚Bauhof’, insgesamt und seines Sockelbereiches im Besonderen.
. bei den baulichen Eingriffen am Bauwerk selbst durch ihre konzeptionelle Übereinstimmung mit der Konstruktion und Raumorganisation der bestehenden Anlage.
Die Ausschnitte in den Sockelplatten erfolgen in der Geometrie und unter Berücksichtigung der bestehenden Konstruktion und Statik.
Der Verlauf der neuen Glasfassaden ist unabhängig von der bestehenden Tragkonstruktion. Ihre Anordnung erfordert Massnahmen zur Optimierung der Wärmedämmung. Diese können jedoch im Zusammenhang mit der durch das Alter der Anlage sowieso notwendigen Anpassung der Wärmedämmung vorgenommen werden.
. beim Anamorphose-Objekt durch eine optimale Wirkung, die erzielt wird aufgrund einer zwar komplexen Planung, aber mit relativ einfachen konstruktiven Mitteln.
. durch eine nur geringe Verminderung der vermietbaren Flächen zugunsten einer attraktiveren Raumorganisation. Die Arkadenräume und der Raum für die vertikale Erschliessung entstehen zu einem grossen Teil durch Umlagerung innenliegender Passagen und Verbindungsgänge.Objekt:
Bauhof Oerlikon, Zürich
Bauherr:
Anlagestiftung Turidomus
Architekten:
Schäublin Architekten AG
Anamorphose-Objekt mit Schrift ‚bauhof’:
Objektentwicklung, Konstruktion und Darstellung, Atelier für Konkrete Kunst, Urs B. Roth
Konzeptionelle Entwicklung Schäublin Architekten
Reklame:
Konzeptionelle Entwicklung Schäublin Architekten in Zusammenarbeit mit
hinderschlatterfeuz grafik, Umsetzung und Darstellung Ueli Hinder
Spezialisten:
Beratung Statik, Aerni + Aerni Bauingenieure, Christof Aerni
Fotografie, Beat Maeschi, Zürich